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Leben, Reisen und Geniessen in China

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Zeichensalat

März 25th, 2009

Heute will ich Sie mal wieder mit den Besonderheiten der chinesischen Sprache langweilen, liebe Leserinnen und Leser. Ich stolpere da im Unterricht immer wieder über lustige Dinge, die ich Ihnen eigentlich gerne mitteilen würde, vergesse sie aber stets wieder. In den letzten Tagen habe ich es mir aber jeweils aufgeschrieben, und darum kann ich Ihnen jetzt stolz eine kleine Sammlung an Trouvaillen präsentieren, mit denen Sie auf jeder Party einen intelligenten Eindruck machen. Oder glauben Sie, die attraktive junge Dame (der gutaussehende Typ) mit der Clutch (dem Becksbier) unter dem Arm (in der Hand) wusste, dass

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„wei ji“, das chinesische Wort für Krise (hier im derzeit sehr angesagten Begriff „jing ji wei ji“ – Finanzkrise) aus den Schriftzeichen „wei“ (Gefahr) und „ji“ (Chance, Möglichkeit) zusammengesetzt wird? Merkschöppis?

Auch den Unterschied zwischen

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„nai nai“ und

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„wai po“ finde ich bemerkenswert. Beides sind Begriffe für „Grossmutter“. Der Oma mütterlicherseits sagt man aber auf keinen Fall „nainai“, denn sie war schliesslich die, die von aussen („wai“) in die Familie kam. Hence: „wai po“.

In letzter Zeit lernen wir auch immer häufiger chinesische Ausdrücke und Sprichwörter, meistens so genannte „cheng yu“, die aus vier Schriftzeichen bestehen und oft einen literarischen Hintergrund haben. Wer sich in einer Konversation solcher „cheng yu“ bedient, zeigt, dass er/sie zuviel Zeit hat gebildet ist.

Ein „cheng yu“, das mir besonders Eindruck gemacht hat, ist

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„wu jian bu shang“. Die Wörter bedeuten „ohne“ (wu), „Beschiss“ (jian), „nicht“ (bu) und „Business“ (shang). Oder anders ausgedrückt: Wer nicht hier ein bisschen schummelt und da ein wenig mauschelt, macht nie ein gutes Geschäft. Vom Taxifahrer, der mit dem ahnungslosen Touristen im Fonds noch eine Zusatzrunde dreht bis zum Möbelpacker, der auf halbem Weg zwischen alter und neuer Wohnung halt macht und den doppelten Preis verlangt, geschäften unzählige Chinesen nach diesem Grundsatz.

Auch

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„zi xiang mao dun“ ist mir in Erinnerung geblieben. Der Ausdruck bedeutet „sich selbst widersprechen“, wobei „mao“ Speer und „dun“ Schild bedeutet. Macht Sinn, wenn man sichs mal überlegt. Hintergrund ist eine Geschichte aus der „Zeit der Streitenden Reiche“, also ein paar Jahrhunderte vor Christus, bevor China in der Qin-Dynastie geeinigt wurde. Damals soll es einen Waffenhändler gegeben haben, der laut seine Speere anpries, die „von keinem Schild aufgehalten werden könnten“, nur um kurz darauf seine Schutzschilder zu loben, die „jedem Speer standhielten“. Ein Marktbesucher fragte ihn daraufhin, was denn passiere, wenn man mit einem seiner Speere gegen eines seiner Schilder kämpfe. Touch√©.

Für grosse Heiterkeit sorgen aber auch immer wieder die in chinesische Silben übersetzten Länder- und Personennamen. Dass es sich bei

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„wu gan da“ um Uganda handelt, merkt jeder. Aber wofür steht

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„sheng wen sen te he ge lin na ding si“?

Na, wer findets raus?

(OHNE Google, Herr MGF.)

Tags: Allgemeines