“Scofield!”, sagte die Baozi-Verkäuferin lachend und nickte mir zu. Ich verstand sofort, obwohl ich - glauben Sie mir - Michael Scofield genauso wenig gleiche wie Carsten Jancker, Dirk Nowitzki, Philippe Senderos und Brad Pitt (!), mit denen ich in China auch schon verglichen wurde.
Der Scofield-Vergleich dürfte vielmehr darauf zurückzuführen sein, dass ich mir gestern die Haare auf Sommerkürze schnitt (3mm) und die Baozi-Verkäuferin ziemlich eindringlich angeschaut haben muss, nachdem sie mir erklärt hatte, die Schweinefleisch-Brötchen seien ausverkauft. “Mei you”, sagte sie. Und dann eben: “Scofield!”

Scofield!
Vom Scofield-Phänomen wollte ich Ihnen ohnehin schon länger berichten, liebe Leserinnen und Leser. Prison Break ist die in China mit Abstand populärste ausländische TV-Serie, und der unbestrittene Liebling ist Ausbrecherkönig Michael Scofield, verkörpert von Wentworth Miller (溫特沃思 米勒), einem Schauspieler, der einst in der Vampirjäger-Serie “Buffy” ein Seemonster namens Gage Petronzi verkörperte, ehe er dank Prison Break Weltruhm erlangte.
Ja, Weltruhm. Ich würde jetzt mal frech behaupten, dass Wentworth Miller in China zu den drei populärsten Hollywood-Schauspielern gehört. Und das nur, weil er sich ein übergrosses Tattoo stechen liess, seine Gefängnisärztin bezirzte und immer dann, wenn es eng wurde, einen ganz, ganz konzentrierten Blick aufsetzte.
Meine Kollegin Cathy beispielsweise hinterlässt auf meiner Facebook-Wall regelmässig Updates in Sachen Scofield, kürzlich beweinte sie lautstark die Tatsache, dass ihr Held zum Ende der vierten Staffel das Zeitliche segnet (”I cried for him!”), und das, bevor ich überhaupt wusste, dass die Serie zu Ende gegangen war (auch die Internetgemeinde trauerte - mehr dazu hier).
In einer Stadt wie Shanghai begegnet man Wentworth Miller an jeder zweiten Ecke, aufgrund seiner enormen Popularität ist der Amerikaner auch Liebling der Werber und Eventveranstalter.


Dabei habe ich mir überlegt, wie ironisch das doch eigentlich ist. Miller verdankt seine Popularität fast ausschliesslich der Serie “Prison Break”, die wiederum fast ausschliesslich als illegale Raubkopie über die Ladentische geht. Die Marketigmillionen fliessen also als indirekte Konsequenz der globalen Produktpiraterie in die Taschen des tätowierten Schönlings. A brave new world.
So betrachtet stünde es mir eigentlich auch zu, mich fälschlicherweise als Wainwright Miller, in Shanghai lebender Bruder des Schauspielers, auszugeben.
Für Celebrities hats nämlich immer noch irgendwo ein Schweinefleisch-Brötchen übrig.





