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Mein erster Witz

Mai 27th, 2009

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Seit vergangenem Wochenende kenne ich doch tatsächlich einen Witz auf Chinesisch. Und weil mich das dermassen freut, will ich Ihnen diese Perle natürlich nicht vorenthalten. Die chinesischsprechenden Leser mögen mir verzeihen, dass ich die Pointe anschliessend erkläre.

Also.

Herr Schmitt, Grossindustrieller, fliegt nach Shenzhen, um dort mit seinem lokalen Geschäftspartner letzte Vertragsdetails zu klären. Weil er weiss, dass es bei den Chinesen gut ankommt, wenn man ein paar Brocken Chinesisch spricht, hat er einige Floskeln auswendig gelernt, und kann es kaum erwarten, diese auch anzuwenden.

Die Verhandlungen laufen prächtig, zur Feier des Tages geht man in ein Restaurant, um beim Hot Pot mit Baijiu auf den Deal anzustossen. Herr Wang, Schmitts Geschäftspartner, hat auch seine Frau mitgebracht, und Schmitt, angespornt vom scharfen Essen und ein paar Gläsern Baijiu, beschliesst, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Er räuspert sich, bis es still wird im Raum, dann erhebt er sein Glas in Richtung der Wangs und sagt: „‰Ω†ÁöѶªÂ≠êÂæàʺlj∫Æ!“ („Ni de Qizi hen piaoliang“ – „Ihre Frau ist sehr hübsch“)

Frau Wang errötet, winkt ab und sagt „Âì™ÈáåÂì™Èáå!“ („Na li na li!“)

„Nun“, sagt Schmitt, lächelt verschmitzt und zeigt auf Frau Wangs Oberweite: „ËøôÈáå!“ („Zhe li!“)

***

Dieser Witz illustriert auch gleich eine Schwierigkeit der chinesischen Sprache: Die Tonalität. Jede Silbe kann in vier verschiedenen Tönen ausgesprochen werden, und je nach Ton ändert die Bedeutung der Silbe. Berühmt ist das Beispiel von „ma“, was im dritten Ton ausgesprochen „Mutter“, im ersten Ton aber „Pferd“ bedeutet. Noch schlimmer ist die Tatsache, dass es pro Silbe und Ton unzählige Schriftzeichen gibt, und damit unzählige Bedeutungen. „Ma“ im ersten Ton heisst ausser „Mutter“ auch noch „Libelle“ oder „wischen“.

In meinem Witz geht es darum, dass Schmitt Frau Wangs Aussage „Na li na li!“ falsch versteht. „Na li na li!“ ist eine Floskel zur Abwiegelung, vergleichbar mit einem schüchternen „Ach was!“ oder „Ach wo!“ in Deutsch.

Gleichzeitig bedeutet es aber auch „wo?“ im wörtlichen Sinne.

Schmitt sieht das als Aufforderung zur genaueren Erläuterung seines Standpunkts, zeigt auf Frau Wangs Brüste und sagt: „Hier!“

Tags: Allgemeines