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Ironie des Diebstahls

März 11th, 2009

Gopferdeckel, jetzt hats mich also doch noch erwischt. Als ich gestern Abend im Bifengtang bei uns um die Ecke friedlich eine Reissuppe mit magerem Schweinefleisch und tausendjährigen Eiern schlürfte, die notabene so aussah,…

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…und hervorragend schmeckte, machten sich dreiste Diebe über meinen geliebten Elektroroller her. Da ich ihn natürlich bestens gesichert hatte, versuchten Sie, wenigstens die Batterie zu klauen, das teuerste Bestandteil eines solchen Fahrzeugs. Irgendwas muss ihnen aber in die Quere gekommen sein, als ich das Restaurant nämlich verliess, war die Batterie noch da, wenn auch aus der Verankerung gerissen und nurmehr an ihrem Kabel baumelnd.

Auch ein Pedal war verbogen, und die Lenkerverkleidung war auf der Seite eingedrückt, aber sonst schien alles in Ordnung zu sein. Wahrscheinlich hatten die Langfinger den Roller während der Tat umgeschmissen und so die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich gelenkt (oh ja, der Roller stand direkt am Trottoir, und es herrschte reger Fussverkehr), woraufhin sie die Flucht suchten, ohne die Batterie mitzunehmen. Anders konnte ich mir die Lage am Tatort nicht erklären.

Wie dem auch sei, meine Batterie war futsch. Schloss abgespitzt, Verschalung zerbrochen. Ich stellte mich darauf ein, 800 Yuan (135 Franken) für einen neuen Akku hinzublättern. So ein Mist.

Heute Morgen nun besuchte ich den Händler, der mir den Töff verkauft hatte, dieser aber meinte, er verkaufe nur die ganzen Roller, keine Ersatzteile. Ich müsse beim Mech vorbeischauen, und der sei an der Soundso Lu zu finden. “Jaja, ich weiss, wo der Mech mecht”, maulte ich. Ich wusste in der Tat, auf welche Odyssee der gute Mann mich schickte, denn von demselben Mechaniker hatte ich nach dem Kauf meine Batterie auswechseln und diverse Teile abmontieren lassen müssen, um meinen Roller auf Kampfgewicht runterzumagern, bevor das Strassenverkehrsamt über seine Zulassung entschied. Lange Geschichte.

Ich fuhr also los, immer noch leise fluchend, kam nach rund zehn Minuten aber glücklicherweise an ein paar fliegenden Händlern vorbei, die Helme, Zahlenschlösser und …Töffbatterien verkauften. Einer der Händler meinte, ich müsse gar keine neue Batterie kaufen, es reiche, wenn man lediglich die kaputte Verschalung austausche.

Flugs holte er einen entsprechenden Akkupanzer hervor und begann zu schrauben, zu schneiden, zu löten und zu kleben. Nach einer halben Stunde hatte meine Batterie ein neues Kleid, das Pedal war wieder geradegehämmert und das Ganze hatte mich nur einen Bruchteil dessen gekostet, was ich für einen neuen Akku ausgegeben hätte.

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Auf dem Rückweg wurde mir schlagartig die Ironie der ganzen Geschichte bewusst. Die Verschalung, die ich vom Händler gekauft hatte, stammte von einem Akku, der womöglich ebenfalls einst geklaut worden war. Die Dunlop- und 69-Kleber im Amerika-Design (Summer of?) legen diesen Verdacht jedenfalls nahe. Vielleicht ist es eine ganz unschuldige Second-Hand-Verschalung, klar, doch ein gewisses Risiko besteht, dass ich mit meinem Kauf genau jenen Kreislauf befeuert hatte, der ursprünglich dafür verantwortlich war, dass man mich beklaut hatte. Ich hatte mir also quasi selbst in den Schwanz gebissen.

Jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen.

Wenigstens hat es schöne Kleber drauf.

Tags: Allgemeines