Am Samstag waren Frau Lu und ich eingeladen, vor Teilnehmern eines Executive-MBA-Programms der ETH Zürich ein kleines Referat darüber zu halten, was es bedeutet, nach China auszuwandern und sich dort niederzulassen. Wir sprachen unter anderem über das Problem des mangelnden privaten Raumes, mit dem viele Ausländer in China zu kämpfen haben.
Öffentlicher und privater Raum werden hier anders definiert als im Westen, was man spätestens dann merkt, wenn die Leute auf dem Trottoir stehen bleiben, um einem dabei zuzuschauen, wie man ein Taschentuch hervorholt oder sich die Schnürsenkel bindet. Auch in Büchern und Zeitungen anderer Leute mitzulesen, sich in Diskussionen zwischen Fremden einzumischen oder lautstark das Aussehen einer Person zu kommentieren ist völlig ok.
Am Sonntagmorgen kam ich dann prompt an einer entsprechenden Szene vorbei. Eine Frau, die offensichtlich umzog, hatte im Eingangsbereich eines Wohnhauses ihren Hausrat zusammengetragen und pendelte schwer atmend zwischen ihren Habseligkeiten und einem vor dem Haus parkierten Auto. Das wiederum fand ein anderer Bewohner dieses Hauses dermassen interessant, dass er alles ganz genau beobachtete. Aus höflicher Distanz, denken Sie?
Ach was.

Aha. Blaues und rotes Waschbecken.





