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Leben, Reisen und Geniessen in China

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CBSDGS Pt.I

April 24th, 2009

So. Meine Prüfungen sind vorbei, und mein Hirn fühlt sich an wie eine Hand voll aufgeweichter Haferflocken, weshalb ich beschlossen habe, heute Nachmittag einen besonders sinnlosen Beitrag für Sie zu schreiben, liebe Leserinnen und Leser.

Inspiriert hat mich eine Idee der grandiosen Internetplattform Smart Shanghai, deren Autoren in einem Quartierladen eine Vielzahl lokaler Glac√©-Spezialitäten eingekauft und getestet hatten. Und weil das Kopieren guter Ideen in China bekanntlich Tradition hat, mache ich jetzt… dasselbe.

Ein paar Unterschiede gibt es jedoch. Statt bei Kedi habe ich meine Testobjekte bei Alldays eingekauft, sieben an der Zahl, zu einem Gesamtpreis von etwas über 30 Yuan (6 Franken). Auf Adaptionen internationaler Glac√©-Klassiker wie Magnum, Cornetto und Viennetta habe ich bewusst verzichtet, die weniger bekannten Marken sind viel spannender.

Zum Beispiel…

1. Grüntee-Stengel (ÁªøËå∂Ê£í) von Baxi (ÂÖ´Âñú)

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Optischer Eindruck: Wirkt etwas kränklich. Blassgrüne Farbe mit Sprenkeln. Vielleicht ein Ausschlag? In der Form erinnert das Teil an ein Stück Handseife. Ob es auch so schmeckt? Ich fürchte mich ein wenig, da reinzubeissen.

Geschmack: Uäh, eklig. Die Aussenschicht ist aus einer Art Schokolade, schmeckt aber irgendwie sauer, ranzig. Darunter kommt eine grüne Füllung zum Vorschein, die an Grüntee erinnert, der Geschmack verschwindet aber dermassen schnell von der Zunge, dass mir nichts anderes übrigbleibt, als immer wieder reinzubeissen. Ein klassischer Fehlstart.

Rating: 2/10

2. Mr. Banana von Nestlé (雀巢)

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Optischer Eindruck: Yeah, der Typ hat Style. Ich mag Herrn Banana auf Anhieb, er erinnert mich an Fulvio Pelli beim Parlamentarier-Skirennen. Ein Glac√© für Gewinner, keine Frage.

Geschmack: Auch hier überrascht eine Aussenhülle aus Schokolade. Sie ist etwas geschmacksneutraler als beim Vorgänger, und gefällt auch im Biss etwas besser. Richtig gut ist die Füllung: Milchiges Bananen-Eis, etwas zu brav vielleicht, aber schön ausgewogen. Kein Wunder, dass mir als Schweizer das gefällt. Passt nicht ganz zum rassigen Versprechen von Herrn Banana auf der Verpackung, aber das sei verziehen. Wir haben einen Spitzenreiter.

Rating: 7/10

3. Undefinierbares Eis von Appolo (阿波羅)

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Optischer Eindruck: Wenns schon im Firmennamen einen Rechtschreibfehler hat, wirds natürlich schwierig. Immerhin handelt es sich bei der Firma Appolo (vielleicht ist es ja auch japanisch für Apfel?) um einen alteingesessenen Player auf dem Stengelmarkt, laut Website wurde das Unternehmen 1972 in Hong Kong gegründet. Als Glac√©-Veteran kann man sich natürlich etwas besonderes erlauben, weshalb Appolo uns ein Produkt bietet, das aussieht wie ein offener Schenkelbruch bei einem Ausserirdischen. Aussen grün, innen rote Brocken. Was zum Buzz Aldrin ist das?

Geschmack: Ich knabbere zaghaft an der grünen Hülle. Immerhin: Es bewegt sich nichts. Ein intensiver Tee-Geschmack macht sich in meinem Mund breit, seifig, penetrant. Ich beisse ein Stück ab, um den Kern dieser rätselhaften Schöpfung zu erreichen. Meine Zunge hofft auf süsse Beeren, aber das ist es nicht…das ist…was zum… das sind… BOHNEN! Ja gibts denn sowas!? Muss es eigentlich ü-ber-all in China Bohnen drin haben? Ich hasse Bohnen. Ich will keine Bohnen in meiner Stengelglac√©. Boah, ist das daneben.

Rating: 1/10

4. Milo (美祿) von Nestlé (雀巢)

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Optischer Eindruck: Ist das ein Celtic-Glasgow-Spieler auf der Verpackung? Zu spät. Schon gekauft. Ich reisse die irisch-katholische Verpackung runter und erblicke ein arg deformiertes, seelen- und charakterloses Schoko-Eis. Deprimierend. Es hat ein wenig Reif angesetzt, aber das macht es auch nicht besser.

Geschmack: Wie es aussieht, schmeckt es auch. Ein dünner Schokolade-Geschmack, fad, wässrig. Den auf der Verpackung angepriesenen Krokant suche ich vergeblich. Enttäuschend. Wie ein 0-0 gegen Kilmarnock.

Rating: 3/10

5. Schon-wieder-ein-Bohnenglacé von Yili (伊利)

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Optischer Eindruck: Schon beim Blick auf die Verpackung geht mir der Laden runter. „Bean Club“ steht da. Bohnenclub. Und was ich im Laden fälschlicherweise für eine leckere Kirschfüllung hielt, sind erneut Bohnen. Verdammte Bohnen. Elende Bohnen. Das Produkt selbst sieht immerhin ziemlich interessant aus. Die Füllung schimmert rosa durch eine transparente Aussenhülle, die ich spontan in der Raumfahrt ansiedeln würde. Sieht futuristisch aus, das Ganze. Ich schöpfe leise Hoffnung.

Geschmack: Also die Hülle ist ganz abartig. Den Geschmack kann ich beim besten Willen nicht eruieren, weshalb ich ein grosses Stück rausbeisse, um direkt zur Füllung zu gelangen, die in der Konsistenz an gefrorenes Erbrochenes erinnert (hatten Sie etwa noch nie gefrorenes Erbrochenes? Man nennt es auch „Vomice“.). Die Bohnen schmecken so wie Bohnen halt schmecken, und ich schmeisse das Ding mit Verve in den Abfall.

Rating: 1/10

6. Milch-Booster (奶提子) von Yili (伊利)

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Optischer Eindruck: Oha, gleich noch ein Produkt aus dem Hause Yili. Mir schwant Böses. Keine Ahnung, ob ich den Namen (•∂ÊèêÂ≠ê) mit „Milch-Booster“ richtig übersetze, aber immerhin steht nirgends was von Bohnen. Das Ding ist ziemlich gross, und stark verbogen. Wow, wie sieht das denn aus? Sieht aus wie ein Hammerhai in einem weissen Schlafsack. Und woher kommen die braunen Punkte? Sind das innere Blutungen?

Geschmack: Hah! Wer hätte das gedacht? Ein Genuss! Beim Hammerhai handelt es sich um ziemlich anständiges Milch-Eis, etwas gummig vielleicht (daher auch die Flexibilität), aber durchaus bekömmlich. Im Innern verbergen sich getrocknete Weinbeeren (ich wusste nicht, dass Hammerhaie sich vegetarisch ernähren), und ich bilde mir sogleich einen zarten Rumgeschmack ein. Sehr gut. Die Firma Yili ist rehabilitiert.

Rating: 7/10

7. Qualitäts-Eisschatz (Á≤æÂìÅÈõ™ÂÆù) von Bright (ÂÖâÊòéÁâå)

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Optischer Eindruck: Ich gebe es zu. Das vielversprechendste Glac√© habe ich mir bis zum Schluss aufgespart. Der „Qualitäts-Glac√©schatz“ sieht ziemlich gut aus, mit Pralinen auf der Verpackung und so. Meine Vorfreude verpufft beim Auspacken. Der braune Mocken ist etwas besser in Form als Nestl√©s Milo, dafür hat er Schnee angesetzt wie die Axenstrasse im Februar. Ich muss das Ding zuerst abtauen. An der Seite ist der Stengel leicht eingedrückt, die beschädigte Stelle sieht aus wie ein zerfetztes Ledersofa.

Geschmack: Waah. Es schmeckt auch so. Dieses Ding mit dem Begriff Schokolade zu bewerben, ist eine Beleidigung. Das hat mit Schokolade so wenig zu tun wie Grünspan mit Frühlingsgefühlen. Der Geschmack schwankt zwischen Leder, Holz und Karton, der Biss ist hart und eisig, und ich breche die übung enttäuscht ab. Glac√©-Schatz. Von wegen.

Rating: 2/10

Fazit:

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Richtig überzeugt hat mich keines der Produkte, China hat in Sachen Stengelglac√© noch grossen Nachholbedarf. Den Herrn Banana und den Milch-Booster mit Weinbeeren würde ich wieder kaufen. Wenns denn sein muss.

Angesichts des enttäuschenden Fazits bleibt mir nichts anderes übrig, als weitere Sorten zu testen.

Bis bald also bei CBSDGS (Chinablog sucht den Glacé-Star).

Tags: Allgemeines · China in Bildern · Essen · Nun ja, äh, also.