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Leben, Reisen und Geniessen in China

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Xuƒõ

Januar 29th, 2008

Dieses Wort hab‘ ich schnell gelernt, meine sehr verehrten Leserinnen und Leser, sehr schnell. Schneller, als mir lieb war.

Xuƒõ heisst „Schnee“ – und Schnee ist ein dominantes Thema in China in diesen Tagen.

In manchen Regionen, so heisst es, hat es seit 50 Jahren nicht mehr so stark geschneit wie in den letzten Tagen. Und weil China ziemlich gross ist, und in einem derart grossen Land an einem Tag ziemlich viel passieren kann, überbieten sich die Zeitungen und Newsagenturen mit Superlativen und Schreckensmeldungen aus allen Himmelsrichtungen.

Shanghai Daily beispielsweise berichtet von verspäteten Flügen, 13 eingestürzten Gebäuden, 100 gestrandeten Schiffen und 700 Ambulanz-Notrufen. Schuld daran? „Shanghai’s biggest snow in 24 years!“

Reuters weiss von 170’000 gestrandeten Zugpassagieren im Bahnhof von Guangzhou, einem „roten Schneesturm-Alarm“ seitens der China Meteorological Administration und stark ansteigenden Lebensmittelpreisen in einigen Regionen des Landes.

Und die Financial Times beschwört bereits „Chinas schlimmste Energiekrise seit Jahren“ herauf, da zum schlechten Wetter ein akuter Kohlemangel hinzukomme.

Für Chinablog.ch hat sich Chefreporter Lu Hai Rui auf Erkundungstour begeben. Hier sind seine schockierenden Erkenntnisse:

Mehrere Zentimeter Schnee in sämtlichen Bezirken der Stadt. Peak in der Region Xujiahui mit 3 bis 5 Zentimetern (!!)

– Auf Strassen und Gehwegen akute Pflotschbildung.

– Einzige erkennbare Reaktion der traumatisierten Shangahier Bevölkerung angesichts der Schneemassen: Galgenhumor.

Verstehen Sie mich nicht falsch, liebe Leser, ich will mich hier nicht lustig machen über Chinas Schnee-Chaos, denn manche Regionen hat es wirklich schlimm erwischt, und für die hunderttausenden Menschen, die zum traditionellen Neujahrsfest in ihre Heimatprovinzen zurückkehren wollen, kommt der Schnee und die Kälte zum ungünstigsten Zeitpunkt.

Aber in Shanghai (und hier sitze ich nun mal fest) mutet die Sensationslust der Medien doch etwas komisch an. Das Hauptproblem hier in der Stadt sind Fussgänger und Autofahrer, die sich den Schnee nicht gewohnt sind, und deshalb ein Chaos verursachen, wo es nur möglich ist. Viele Taxis fahren ohne Licht, mit defekten Scheibenwischern und offenen Fenstern, was per se eine schlechte, bei Regen eine sehr schlechte, in einem Schneesturm aber eine geradezu idiotische Idee ist. Auf den Trottoirs rutschen die Passanten auf gummibesohlten Lederschuhen umher, das mancherorts gestreute Heu hilft nur wenig. Und dass bei fünf Zentimetern Nassschnee mehr als ein Dutzend Häuser kollabieren konnte, liegt (ohne dass ich die genauen Umstände kennen würde) wohl eher in der Infrastruktur begründet denn in der Schneemenge.

Wie auch immer. Draussen schneits jedenfalls weiter. Und spätestens dann, wenn hier der Strom ausfällt, stimmt auch Lu Hai Rui ins Lamento mit ein.

Verlassen Sie sich drauf.

Tags: Allgemeines