Letzte Woche hatte ich die Ehre, meinen ersten Vortrag vor chinesischem Publikum zu halten. Ich war von einem Verlag angefragt worden, der Reiseführer herausgibt, und zur Veröffentlichung eines neuen Bands jeweils ein Event veranstaltet, bei dem eine Person aus besprochenem Land ein bisschen was über ihre Heimat erzählt.
Ich hatte mich sehr gewissenhaft vorbereitet und mich sogar dazu hinreissen lassen, eine Power-Point-Präsentation zu machen, eine Tätigkeit, die ich seit diversen Gelegenheitsjobs als Student tief verabscheue.

Ich gab also unser Land zum Besten, erzählte von Bundesräten, klarem Trinkwasser und der Uhrenindustrie, und zum Schluss forderte ich die Leute auf, mir doch Fragen zu stellen, falls sie noch welche hätten.

© David Kalonick

© David Kalonick
Ein junger Mann meldete sich, und fragte mich, inwiefern unsere Essgewohnheiten vergleichbar seien.
Ich erzählte ihm davon, dass man sich bei uns das Essen im Restaurant nicht teilt, sondern dass es einzelne Teller gibt für alle Anwesenden. Ich erzählte ihm von Brot, Wurst und Käse, davon, dass wir keineswegs täglich ein Käsefondue zu uns nähmen und auch kein Schokoladefondue.
Ein grosser Unterschied sei, so sagte ich weiter, dass es bei uns nicht unüblich sei, an zwei von drei Mahlzeiten am Tag kaltes Essen zu uns zu nehmen. Das steht in krassem Gegensatz zu China, wo Essen fast schon heiss sein muss, um sich überhaupt für die Definition “Essen” zu qualifizieren. Morgens ässen beispielsweise viele Leute Müsli, erklärte ich ihm. Und abends gäbe es vielerorts Brot und Wurst und Käse oder einen gemischten Salat. Sowas halt. Kaltes Essen.
Im Saal herrschte Stille. Die Chinesen blickten mich verwundert an. Dann sagte der ursprüngliche Fragesteller das, was allen Zuhörern auf der Zunge zu brennen schien. “Wenn das Essen kalt ist… warum wärmt ihr es dann nicht einfach auf?”
Schon mal versucht, einem Chinesen zu erklären, wie aufgewärmter Nüsslisalat mit Ei schmeckt?





