Und wieder kann ich ein Häkchen machen in Lu Hai Rui’s Shanghai-Pflichtprogramm. Ich habe nämlich zum ersten Mal einen der vielen Fabric Markets besucht hier in Shanghai. Auf diesen Stoffmärkten, keineswegs mit den Fake Markets zu verwechseln, kann man sich von Anzügen und Hemden über Shorts und T-Shirts bis hin zu traditionellen Qi Paos und Tang-Anzügen so ziemlich alles schneidern lassen.

Preis runterhandeln: Frau Xie in ihrem Element

Ein neues Hemd? Ja, wir haben da ein paar Farben.

So wie ich das Business-Modell verstanden habe, und wie es mir Frau Xie, die dort bereits schon Bekannte hat (!), erklärt hat, gibt es drei Arten von Anfertigung, die man hier in Auftrag geben kann.
1. Copy-Paste. Das ist sehr praktisch, schliesslich haben wir alle ein Lieblingshemd, eine Hose, die besonders gut sitzt, oder eine Jacke, die wir eigentlich längst aufgeben sollten, von der wir uns aber partout nicht trennen können. Kein Problem. Man bringt das gute Stück vorbei, wählt einen Stoff aus und lässt ein, zwei, fünfzig neue Exemplare anfertigen. Originalgetreu.
2. Bespoke. Man lässt sich ausmessen und sagt der Schneiderin oder dem Schneider, was man will. Der kritzelt dann wie wild auf einen Zeichenblock, sodass man seine Kreation auch gleich anschauen kann.
3. Customized. An fast allen Ständen sind Mäntel, Anzüge und andere Kleidungsstücke ausgestellt, die man je nach Wunsch abändern kann. Frau Xie hat letztens einen Trenchcoat gesehen, der ihr gut gefiel, allerdings mochte sie den welken Kragen ganz und gar nicht, und auch die Goldknöpfe passten ihr nicht. Kein Problem. Flugs waren neue Knöpfe ausgesucht und auf Papier ein neuer Kragen entworfen.
Abholen kann man seine Ware jeweils eine Woche später. Ich habe zu Beginn jetzt mal mein Lieblingshemd, das ich vor fünf Jahren in Brescia gekauft habe (”Yi Da Li”, der Schneider nickte anerkennend), in Auftrag gegeben. Drei Kopien kosten 190 RMB, also rund 30 Franken.
Bin ja mal gespannt, wie das rauskommt.





