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Hen gaoxing!

April 1st, 2008

Vergangene Woche machten wir einen kleinen Fototrip nach Hongkou, in eines der gut erhaltenen alten Viertel Shanghais. Wir, das waren in diesem Fall

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Herr Juan, ein Mallorquiner, der mit mir zur Uni geht und in Sachen Sightseeing-Euphorie kaum zu bremsen ist („Every Saturday, I make Tourism.“),

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Herr Fredrik, ein alter Schwede (kein Witz, er ist schon 39), ebenfalls Mitstudent von mir,

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Herr Da Wei, ein Profifotograf aus Cincinnati, den ich beim Pokern kennengelernt habe, und der alles isst, was ihm auf der Strasse angeboten wird, und yours truly, Herr Lu Hai Rui.

Herr Fredrik bot uns an, mit seinem Fahrer, dem legendären Mister G, nach Hongkou zu fahren. Genaugenommen ist es nicht der Fahrer von Herrn Fredrik, sondern von Frau Fredrik, die für einen ausländischen Multi arbeitet und ein typisches Expat-Paket hat mit dicker Wohnung, American School für die beiden Kinder, und eben, einem eigenen Fahrer. Herr Fredrik findet das alles sehr convenient. Und ich eigentlich auch (ähm, Frau Xie…).

Es war ein wunderschöner Tag, knapp 20 Grad warm, und nachdem wir uns mit Teigtaschen und ein paar Flaschen Suntory auf den Fototrip eingestimmt hatten, enterten wir das Viertel durch die berühmte Duolun Lu (ein paar Infos zu Hongkou gibt es hier).

Leider mussten wir schnell feststellen, dass die Gegend ziemlich touristisch angehaucht ist, also verdrückten wir uns durch eine Seitengasse und landeten schon nach wenigen Metern in einem Gewirr aus klitzekleinen Gässchen. Der Lärm der Hauptstrassen war urplötzlich versiegt, wir hörten nurmehr die rostigen Drähte knirschen, auf denen Wäsche zum Trocknen aufgehängt war und die sich kreuz und quer durchs gesamte Viertel zogen. Die Sonne schien senkrecht auf die Pflastersteine der schmalen Gässchen, hier und dort sass jemand im Schatten, zumeist alte Leute, die wohl schon in Shanghai wohnten, als Hongkou noch von den Japanern besetzt war.

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Herr Fredrik, angeheitert vom schönen Wetter und dem kalten Bier, hatte schon schnell mit ein paar Einheimischen Freundschaft geschlossen und sie auf erstaunlich subtile Weise dazu gebracht, uns ihr Zuhause zu zeigen. Und bevor wir es merkten, standen wir mitten im Wohnzimmer eines alten Shanghaier Ehepaars, das uns mit grosser Euphorie Fotos von sämtlichen Kindern und Enkelkindern zeigte, das Waschbecken im offenen Innenhof vorführte und grossen Spass daran hatte, uns auf unsere Chinesischkenntnisse zu testen.

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Wir wehrten uns mit Händen und Füssen, selber davon überrascht, zu wie viel Konversation wir schon fähig waren, und Herr Fredrik schaffte es sogar, die Wörter „liuxuesheng“ (Austauschstudent), „guoji guanxi“ (Internationale Beziehungen) und „xiandai wenxue“ (Moderne Literatur) ins Gespräch einfliessen zu lassen. Was für ein Streber! Ich glänzte mit der Floskel „Ren shi nin men, wo men hen gaoxing“ (Es freut uns sehr, sie kennenzulernen) und die Herren Da Wei und Juan taten sogar so, als könnten sie Schriftzeichen lesen.

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Nachdem wir uns wortreich verabschiedet hatten, dauerte es keine zehn Minuten, bis Herr Fredrik mit der nächsten Familie angebandelt hatte, und wir erneut eingeladen wurden, das Haus zu besichtigen. Eine schmale, dunkle Steintreppe führte durch das ganze Gebäude bis auf eine ummauerte Dachterrasse, auf der wir sicher eine Stunde damit zubrachten, über unsere Herkunft, unser Alter, unsere Familien und spanischen Fussball (danke, Herr Juan), zu palavern. Es war schlicht grossartig.

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Inzwischen war die Sonne tief über den Horizont gesunken, das Licht warf wunderschöne, samtene Schatten, und wir knipsten, was die Speicherkarten hergaben.

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Nachdem wir Herrn Fredrik davon überzeugen konnten, vor lauter Freude nicht auch noch gleich mitten auf der Strasse ein Kind zu adoptieren,

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stiessen wir schliesslich in einem schattigen Gässchen auf die eindrücklichste Szene des ganzen Nachmittags. Eine Gruppe alter Leute, die sich beim Ma Jiang (bei uns als Mah Jongg bekannt) gegenseitig die Rente abknöpften.

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Ein paar Zuschauer erklärten uns, die Frauen seien 90, 88 und 87 Jahre alt, beim Mann handle es sich um den Jüngling im Team, er sei erst 79.

Als die Sonne am Horizont zu verschwinden drohte, machten wir uns langsam auf den Heimweg.

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Herr Fredrik, Herr Da Wei, Herr Juan und ich waren uns einig: Das war der beste Fototrip seit langem gewesen. Und es gibt noch sooo viel zu sehen in Shanghai.

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