Von der Begrüssungszeremonie an der Uni wollte ich Ihnen noch erzählen, liebe Leserinnen und Leser. Sie fand gestern Freitag statt, in einem riesigen Auditorium, in dem sich alle Studenten der School Of International Education eingefunden hatten.

Dazu ein kleiner Exkurs. Die “Students From All Over The World” (lesen Sie hier) bestehen zu gefühlten 90 Prozent aus Japanern und Koreanern. Hinzu kommt ein buntes Grüppchen Westerners, hauptsächlich Amis und Deutsche. Natürlich haben mir einige Exemplare besonders gut gefallen:
- Ein Typ mit Kurzhaarfrisur, stechendem Blick und Tottenham-Hotspurs-Schal (hmm…Franzose?)
- Zwei verschlafene Italiener mit sehr farbigen Pullovern und sehr farbigen Rucksäcken und sehr krassen Gelfrisuren (siamo venuti diretto, weisch?)
- Ein Japaner mit Corn Rows wie Sean Da Paul (I’m dutty yeah, arigato!)
- Ein paar verschlafene Latinos in Lederjacken und Allzweckschuhen (man könnte ja jederzeit was besichtigen)
- Ein Amerikaner mit Ich-schlafe-links-Frisur, dicken Brillengläsern und einem Gesichtsausdruck, der sagt: Gibts hier irgendwo einen Buchstabierwettbewerb?
- Eine sehr bleiche Koreanerin im Kapuzenjäckchen, barfuss (…)
Als drei wichtigste Studenten-Attribute konnte ich zweifellos die Dior-Sonnenbrille, den Kapuzenpullover und die pinkfarbene Pashmina ausmachen. Bei den Koreanern scheinen ausserdem Game-Boy-Advance-mässig aufklappbare Mobiltelefone mit Tastatur existenziell wichtig zu sein.
Auf der Bühne des Auditoriums hatten allerhand wichtige Persönlichkeiten der Jiao-Tong-Universität Platz genommen, darunter der Unidirektor, der auch gleich eine herzliche Rede an die Studenten richtete.

Neben ihm hatten drei (!) Übersetzerinnen Platz genommen, eine für Englisch, eine für Koreanisch, eine für Japanisch. Frau Englisch war als Erste an der Reihe, leider versagte ihr nach “I’d like to introduce…” die Stimme, die Arme war nervöser als ein Zwergpinscher vor dem Füttern, und bei Wörtern wie “significant, “respectively” und “approximately” kam sie jeweils dermassen ins Schleudern, dass ich fürchtete, Sie würde sich was antun.
Frau Koreanisch klärte mich darüber auf, dass Koreanisch wohl die asiatische Sprache ist, die am ehesten nach Türkisch klingt, ich glaubte jedenfalls mehrmals das Wort “dürüm” aus ihrer Übersetzung herauszuhören, woraufhin jedes Mal mein Magen knurrte. Auch die Silbe “rö” scheint sehr populär zu sein in Koröa. Haha.
Fast schon unheimlich stilvoll trug schliesslich Frau Japanisch ihre Traduction vor, auch wenn Sie arg mit dem Wort “Heidelberg” zu kämpfen hatte, das im Japanischen Heidalabereguru (oder so) heisst. Ausserdem fiel mir auf, dass fast jedes ihrer Voten mit der Silbe “mas” endete, was bei mir (als heimlichem Latino) stets das ungute Gefühl hervorrief, dass da noch mehr kommt.
Irgendwann war es dann aber zu Ende, und wir traten ins Freie, einen wunderschönen, milden Freitag vor uns.



Mein neues Leben als Student-slash-Journalist beginnt am Montag, um 8.30 Uhr mit vier Stunden “Speaking”.
Das kann ich ziemlich gut.





