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Leben, Reisen und Geniessen in China

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Halb-Halb

Februar 19th, 2008

Gestern fuhr ich zum ersten Mal seit meiner Ankunft auf die andere Seite des Huangpu, nach Pudong also. Shanghai teilt sich ja in Puxi (westlich (xi) des Huangpu) und Pudong (östlich (dong) des Huangpu), und nach Pudong fährt der anständige Puxianer eigentlich nur, wenn er zum Flughafen muss, wenn er auf dem Fake Market billig einkaufen oder im 87. Stock des Hyatt (Jin Mao) einen Wodka Martini schlürfen will.

Ich machte eine Ausnahme und stattete der Einwanderungsbehörde einen Besuch ab. Seit rund einer Woche ist nämlich mein Visum abgelaufen, was zwar nicht mein Fehler ist, aber das interessiert hier niemanden. Und so musste ich in Pudong vorsprechen, mit artig geneigtem Kopf und schuldigem Blick und eine Verlängerung beantragen, was auch ziemlich reibungslos über die Bühne ging.

Danach wanderte ich ein wenig durch die Strassen, bewunderte die Sicht auf die gigantischen Bürogebäude, die an jeder Ecke rumstehen, als wären sie nichts besonderes, und machte ein paar Fotos.

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Damit auch ja der Drache durchpasst: Feng Shui in Pudong

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Bevor ich mich wieder auf den Heimweg machte, stattete ich dem aktuellen Fake Market einen Besuch ab, aktuell deshalb, weil der Markt, auf dem es von A wie Armani über R wie Rolex bis Z wie Zegna so ziemlich alles zu kaufen gibt, in regelmässigen Abständen medienwirksam geschlossen wird und dann ein paar Tage später an einem neuen Ort wieder seine Tore öffnet. Derzeit befindet er sich in den verzweigten Gängen einer Metrostation in Pudong, und ich schlenderte ein Stündchen durch die engen Gassen und liess mich vom Singsang der Verkäufer (hellouhellouwanabaiuatsch?) einlullen.

Da ich gerade keine Lacoste-, und schon gar keine Lacsote-Poloshirts brauchte, schaute ich mich nach Kuriositäten um, war aber ziemlich enttäuscht, da sämtliche Händler ihre Ware vom gleichen Lieferanten zu beziehen scheinen, ein Stand glich jedenfalls dem nächsten. In einem kleinen Eckladen stiess ich dann doch auf etwas Spannendes:

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Spielkartensets mit den Motiven “The Red Sun” und “Chinese Emperors.”.

Während es sich bei Letzterem um eine Ansammlung grauer Eminenzen handelt,

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Vier Könige? Ich habe ein Full House Kaiser.

geht es bei “The Red Sun” um die guten alten Sechziger Jahre, in denen Chairman Mao das Land noch im Griff hatte.

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Ausländische Besucher mag es erstaunen, dass Mao-Memorabilia in China allgegenwärtig sind. Es gibt Pins und Abzeichen, Feuerzeuge, welche die Melodie von The East is red, the Sun is rising… plärren und allerlei Textil- und Haushaltswaren mit dem grossen Vorsitzenden drauf. In Shanghai gibt es sogar einen Club namens “Mao”.

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The East is Red: Joker

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Chinaman walk all over the Country: Herz 8

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Chairman Mao, together with Afo-Asian people: Kreuz Bube

Es ist nämlich keineswegs so, dass Mao, obwohl seine Herrschaft für viele Menschen grosses Elend bedeutete, in China nur negativ wahrgenommen wird. Klar, vieles lief schief damals, scheint eine allgemein gültige Version zu lauten, aber die Zeit hatte auch ihr Gutes. Halb-halb, sagen viele.

Und je stärker China ins globalisierte Internetzeitalter hineinrutscht, desto nostalgisch verklärter sehen viele Menschen die gute, alte Zeit, als man die Dinge noch einordnen konnte, als die Menschen noch gesunden Menschenverstand besassen.

Ein wenig wie bei uns.

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