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Leben, Reisen und Geniessen in China

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Grosi Li

Februar 5th, 2008

Die Expats (Ausländer, as in “Expatriates”) verbindet vieles hier, ob sie es nun wollen oder nicht: Der chronische Schnupfen, die mangelhafte Aussprache, das Taxi als primäres Verkehrsmittel - und die Ayi.

Die Ayi ist die gute Seele in jedem Expat-Haushalt, sie wäscht und putzt und räumt auf und stellt Essen in den Kühlschrank. Ich habe bisher keine Ausländer kennengelernt, die nicht die Dienste einer Ayi in Anspruch nehmen, und während Frau Xie und ich uns noch darüber unterhielten, wie befremdend die Anwesenheit einer Angestellten in unserer kleinen Wohnung auf uns wirken würde, hatte Mama Wang bereits eine Ayi für uns organisiert. Keine Widerrede, ist schliesslich eine gute Sache für beide Seiten, so die non-verbale Begründung.

Nun ist es ja auch nicht so, dass wir widersprochen hätten, aber als mittelständischer Schweizer ist man es sich halt nicht gewohnt, dass da eine Frau in Kochschürze durch die Wohnung wuselt und die leeren Grüntee-Flaschen wegräumt. Noch dazu, wenn man ihr einen Bruchteil dessen dafür bezahlen muss, was man selbst unter einem Mindestlohn versteht. Aber auch hier hatte Mama Wang schon alles geklärt, mit flinken Fingern rechnete sie uns vor, was wir wann und wie zu bezahlen hätten, und dass Li Ayi, so ihr Name, schaurig froh sei, wieder einen Arbeitgeber zu haben, eben erst sei die Familie, bei der sie im Haushalt geholfen habe, weggezogen.

Li Ayi - Frau Xie, Li Ayi - Herr Lu, Frau Xie - Li Ayi, Herr Lu - Li Ayi. Deal besiegelt.

Und so kommt nun montags und donnerstags Li Ayi zu uns nach Hause, eine sehr liebenswürdige, etwas runzelige Frau mit kurzen, graumelierten Haaren und kräftigen, roten Händen. Ich mache mich jeweils aus dem Staub, das Gefühl, am Computer zu sitzen, während jemand in meinem Rücken den Spiegel poliert, ist mir unangenehm. Hinzu kommt, dass sie kein Wort Englisch und ich genau achtunddreissig Wörter Chinesisch spreche, was die Konversation doch ziemlich erschwert. Meistens läuft es so ab:

Li Ayi: (beliebige chinesische Silben)
Lu Hai Rui: “ehm…”
Li Ayi: (Wiederholung beliebiger chinesischer Silben)
Lu Hai Rui: “…”
Li Ayi: Bu dong ma? (”Verstehst nix, Du Hohlkopf, was?”)
Lu Hai Rui (breit grinsend): “Ting bu dong!”

Gegen Ende des Nachmittags komme ich dann aber jeweils nach Hause, ich habe nämlich die Aufgabe, ihr die Spesen zu entschädigen, und da Li Ayi uns am Montag und Donnerstag auch das Abendessen zubereitet, hat sie immer jede Menge Einkaufsquittungen und Zettelchen zur Hand, die sie dann Stück für Stück mit mir durchgeht, dass auch ja nicht der Verdacht aufkomme, sie könnte Geld einfordern, das ihr nicht zusteht.

Ich verstehe natürlich jeweils nur Bahnhof, lasse mich aber von Li Ayi durch die Wohnung führen, sie erklärt mir nämlich nicht nur jeden Rechnungsposten ausführlich, sie zeigt mir auch das real existierende Äquivalent dazu, also jeden Kohl, jeden Sack Reis und jeden Schöpflöffel, den sie gekauft hat. Ich denke dann jeweils an Bill Murray’s Suntory-Szene (”KattoKattoKattoKattoo!”) und lasse die Prozedur lächelnd über mich ergehen.

Und wenn wir uns dann wortreich (und schlussendlich meist unter schallendem Gelächter) voneinander verabschiedet haben, schleiche ich mich sofort in die Küche, und finde…

…das…

…und das…

…und das.

Sie kocht grossartig, unsere Li Ayi, und weil sie Mama Wang gesagt hat, Frau Xie und ich wären für sie bereits so eine Art Enkelkinder, verzeihe ich ihr auch, dass sie das frisch gerupfte Huhn, aus dem oben gezeigtes Gericht entstanden ist, mit meiner Büroschere aufgeschnitten hat. KattoKattoKattoKattoo!

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