Ich weiss kaum, wo ich beginnen soll. Hier in Shanghai passieren an einem Tag so viele Dinge, wie ich sie in der Schweiz in einer Woche nicht erlebe. Sie glauben mir nicht? Dann will ich Ihnen mal erzählen, was mir gestern, an einem stinknormalen Dienstag also, so alles widerfahren ist.
Beginnen wir mit den wichtigen Dingen. Ich erhielt einen Anruf vom Admission Office der Jiao Tong Universität, in dem man mir mitteilte, man habe meinen Antrag gutgeheissen, ich dürfe ab Februar an der Uni Chinesisch studieren. Yes! Diese Tatsache erfüllte mich mit derart viel Stolz, dass ich sogleich im Uni-Shop eine Jiao-Tong-Umhängetasche kaufte. Das Teil kostete keine 20 Stutz und ist cooler als unser Küchenbalkon.
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Am Mittag traf ich mich mit einer Kollegin zum Essen, und auf dem Weg dorthin begann es doch tatsächlich zu schneien. Erstaunt stellte ich fest, dass die sonst so unbeirrbaren Shanghaier doch mit einer gewissen Verwunderung darauf reagierten, einige zückten ihre Handykameras, andere starrten ganz einfach fasziniert in den Himmel.
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Auf dem Rückweg vom Café quatschte mich ein fliegender Händler an, der allerdings zu Fuss unterwegs war (mwuah!), er meinte, ich müsse unbedingt seinen Supermarket besuchen. Ich winkte ab, woraufhin er mich ernst anblickte und sagte: “Ok, next time. I make you special price, because you are my friend now.” Aha. So schnell geht das.
In der Metro wurde ich von einer Gruppe älterer Männer mit offenen Mündern begutachtet, sie unterhielten sich offensichtlich über meine Körpergrösse, und mir kam tatsächlich nichts besseres in den Sinn, als bei einem Holpern den Kopf an der horizontalen Haltestange anzuschlagen. Sie lachten schamlos, und ich lachte mit.
Beim Aussteigen bemerkte ich einen Aufzug, der mit “Accessible Elevator” angeschrieben war, woraufhin ich minutenlang darüber sinnierte, ob es auch einen “Non-Accessible Elevator” gibt. Wo der wohl hinführt?
Im lokalen Supermarkt traf ich schliesslich auf einen Mann, der in der Abteilung für Massagestühle ein Nickerchen machte,
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auf einen Starbucks-Angestellten, auf dessen Namensschild “Melody” geschrieben stand (ich wusste beim besten Willen nicht, unter welchem Vorwand ich ihn hätte fotografieren sollen), sowie einen Feinkostladen namens “Görmet Food City”.
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Da Lachen bekanntlich glücklich macht, kamen Frau Xie und ich ziemlich zufrieden zu Hause an, wo wir sogleich unserem neuesten Hobby frönten: Lipton-Pulverkakao-Trinken!
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Lipton führt derzeit in ganz Shanghai eine gross angelegte Werbekampagne für ein neuartiges Getränk durch, das aus einem Pulver und einer gelatineartigen Flüssigkeit besteht und mit heissem Wasser aufgegossen werden muss.
Zugegeben, zu Beginn sieht das Getränk eher danach aus, als hätte ein Beduine in den Sand gerotzt,
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ist es aber erst mal angerührt, macht es schlagartig süchtig.
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In unserem Schrank stehen jedenfalls Dutzende solcher Trinkbecher.
Sie sehen, so ein Dienstag hat in Shanghai ganz einfach mehr zu bieten als in Oberlunkhofen.
Und kommen Sie mir jetzt bloss nicht mit dem “Kassensturz”.





