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Ei im Mond

September 6th, 2008

So, es ist mal wieder Zeit für etwas Kultur, liebe Leserinnen und Leser. Kommende Woche steigt hier nämlich das Mondfest (auch „Mittherbstfest“, zhongqiujie, genannt), und schon allein deshalb, weil es dazu einen offiziellen Feiertag gibt, ist es erwähnenswert. Ursprünglich war das Mondfest ein Opferfest, inzwischen dient es wie alle Feste Chinas dem gemütlichen Beisammensein in der Familie, traditionellerweise guckt man währenddessen den hellen Herbstmond an, es sei denn, man wohnt in einer versmogten besonders dunstigen Stadt wie Shanghai, in der man den Mond nicht häufiger sieht als den blauen Himmel.

Im Alltag macht sich das Mondfest schon Wochen und Monate zuvor bemerkbar. Und zwar in Form von Mondkuchen. Man muss sich das ähnlich vorstellen wie bei uns mit den Fasnachtschüechli (ein Wort, das mit besonderem Gruss an meine Deutschen Leser gerichtet ist), die schon im Januar in den Supermarktregalen aufliegen.

Mondkuchen kommen im Gegensatz zu Fasnachtschüechli aber nicht in fantasielosen Zellophantüten, sondern in kunstvoll verzierten und aufwendig geschmückten Geschenkboxen daher. Das liegt daran, dass man Mondkuchen nicht zum Eigenverbrauch kauft, sondern als Präsent für Geschäftspartner, Familie und Freunde.

Auch bei mir klingelte es gestern Freitag an der Tür, und ein fröhlich grinsender Bote hielt mir diese Kiste unter die Nase.

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Als ich sie öffnete, und den Inhalt sah, dachte ich: „Toll, Tee!“

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Denkste. Im Innern dieser kunstvollen Schachteln versteckten sich kleine, klebrige Kuchen.

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Die sehen zwar ziemlich lecker aus, und für einen Moment gab ich mich der naiven Hoffnung hin, sie wären salzig und mit einer würzigen Hackfleischfüllung vollgestopft. Eine Illusion, die mit dem ersten Bissen verflog.

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Im Innern des Mondkuchens, der von der Konsistenz her stark an unsere Biberli erinnert, versteckte sich eine klebrige Masse, die, wie ich bei Wikipedia nachlesen konnte, meist aus Bohnen- oder Lotussamenmus hergestellt wird (und ziemlich genau so schmeckt wie das klingt).

Gerne hätte ich Ihnen auch ein Bild vom grössten Kuchen gezeigt, jenem in der mittleren Schachtel. Dieser soll nämlich ein gesalzenes Enten-Eigelb beherbergen (das den Vollmond symbolisiert), und ich hätte Ihnen nur zu gern verraten, ob das auch wirklich stimmt, aber als ich die Schachtel öffnete, war sie leer. Frau Xie hatte den Königsmondkuchen bereits verputzt, und ich war unschlüssig, ob mich das verärgern oder anwidern sollte, immerhin konnte sie mir bestätigen, dass da was„leicht Salziges“ in der Mitte gesteckt habe, und ich durfte mit leichter Schadenfreude feststellen, dass die von mir sogleich vermittelte Information, dass es sich dabei um ein gesalzenes Enten-Eigelb gehandelt haben dürfte, ihr leichtes Unwohlsein bereitete.

„Immerhin haben Sie“, sagte ich zu Frau Xie, „wieder was gelernt.“

Tags: Allgemeines · China in Bildern · Essen · So ist das