Obwohl die Olympischen Spiele erst heute beginnen, steht sie sich schon seit einer ganzen Woche am Welcome Desk des House of Switzerland die Beine in den Bauch: Frau Xie. Höchste Zeit also, ihr mal ein paar Fragen zu stellen.

Chinablog: Grüezi Frau Xie.
Frau Xie: Grüezi, Herr Lu.
CB: Wie gefällt es Ihnen so am Welcome Desk?
FX: Sehr gut. Wirklich sehr gut.
CB: Viele Besucher?
FX: Sehr viele. Hier ist ständig was los.
CB: Was denn?
FX: Die Besucher wollen wissen, was das hier ist. Viele sind im Quartier unterwegs und kommen zufällig vorbei. Andere wollen Prospekte und Broschüren, oder wissen, wann die Ländlermusig wieder spielt.
CB: Werden Sie auf Englisch oder Chinesisch angesprochen?
FX: Beides. Aber die Leute, die mich auf Chinesisch ansprechen, tun das sehr zurückhaltend. Die wollen erst mal schauen, was passiert.
CB: Und wenn Sie dann auf Chinesisch antworten?
FX: Dann wollen sie meist wissen, ob ich Schweizerin bin, wie lange ich schon hier sei und warum ich Chinesisch spreche.
CB: Und dann gibts ein Foto.
FX: Genau. Kein Tag ohne Foto.
CB: Für wie viele Fotos posieren Sie pro Tag?
FX: 20 bis 30.
CB: Und die Leute wollen ein Foto von Ihnen oder mit Ihnen?
FX: Beides. Am liebsten mit.
CB: Was waren bisher die speziellsten Begegnungen?
FX: Lustig sind die, die einem beim ersten Treffen offiziell die Freundschaft anbieten.
CB: Offiziell die Freundschaft anbieten? Wie geht das?
FX: Na genau so. “Hi, can we be friends? Hier ist meine Visitenkarte. Kann ich Deine haben?” Es gibt auch einen, der täglich vorbei kommt und uns ein Geschenk mitbringt. Mal ein Dessert, dann eine schöne Postkarte. Aber grundsätzlich sind die Leute für chinesische Verhältnisse eher zurückhaltend.
CB: Was heisst das?
FX: Sie fragen beispielsweise, ob das Material auf unserem Stand gratis ist. Und wenn wir was verteilen, haben sie auch schon spontan eine Warteschlange gebildet und nicht einfach vorgedrängelt.
CB: Das ist in der Tat untypisch. Wie erklären Sie sich das?
FX: Ich kann mir schon vorstellen, dass die Verhaltenskampagne der Regierung dafür mitverantwortlich ist. Man hat die Leute ja auf Plakaten darauf hingewiesen, wie sie sich während der Olympischen Spiele idealerweise verhalten. Ich glaube nicht, dass sie das in ihrem Alltag irgendwie kümmert, aber im Umgang mit Ausländern spüre ich einen deutlichen Unterschied.
CB: Letzte Frage: Wem wünschen Sie olympisches Gold?
FX: Federer natürlich.
CB: Was würden Sie zu ihm sagen, wenn er hier auftaucht und bei Ihnen nach dem Weg zur Toilette fragt?
FX: Da drüben rechts.
CB: Nicht “kann ich ein Foto machen?”.
FX: Nein, sicher nicht.
CB: Sehr schweizerisch von Ihnen, Frau Xie.
FX: Dafür bin ich ja hier.





