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Leben, Reisen und Geniessen in China

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Lu Hai Was?

Dezember 22nd, 2007

Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, was es mit dem Namen „Lu Hai Rui“ auf sich hat. „Leben als Lu Hai Rui“ – Zenme le?

Nun, ich will es ihnen erklären, liebe Leser. Als „laowai“, was umgangssprachlich „Ausländer“ bedeutet, kommt man in China mit seinem richtigen Namen nicht weit. Egal, ob man Fridolin Güntensperger oder Klaus-Maria Franzoni heisst, für die Chinesen sind und bleiben unsere Namen unaussprechlich. Das liegt daran, dass die chinesische Sprache aus einer bestimmten Anzahl Silben („lu“, „ma“, „gong“, „shi“…) besteht, und all das, was sich nicht mit diesen Silben aussprechen lässt, mit Ignoranz gestraft wird.

Als billige Lösung Mittelweg besteht die Möglichkeit, seinen westlichen Namen einfach chinesisch auszusprechen. Klaus-Maria Franzoni würde sich dann konsequenterweise Ka Lao Si Ma Li Ya Fang Zao Ni, respektive Fang Zao Ni Ka Lao Si Ma Li Ya nennen (der Nachname kommt immer zuerst), wobei aber die Gefahr besteht, dass Silbenkombinationen entstehen, die fürs chinesische Ohr nicht nur ungewohnt klingen, sondern eine unvorteilhafte Bedeutung haben können.

Wer richtig Eindruck machen will, gibt sich einen chinesischen Namen (das machen umgekehrt auch die Chinesen, ein Freund von mir ist mit einem Chinesen namens „Vito“ befreundet – genau, ein grosser Fan des „Godfather“). Dazu genügt eines von unzähligen Billigprogrammen im Internet. Besser aber, man findet einen Chinesen, der diese Aufgabe für einen übernimmt.

In meinem Fall war es Baba Wang (Vater Wang, der Gastvater von Frau Xie), der sich anlässlich eines bierseligen Nachtessens dazu bereit erklärte, mir einen Namen zu geben. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte mich die Familie Wang stets mit „Kuai Zi“ angesprochen, was „Essstäbchen“ bedeutet – lang und dünn. Baba Wang harrte minutenlang schweigend über seinem Essen und studierte, bis er plötzlich sein Glas erhob und freudenstrahlend meinen neuen Namen verkündete: Lu Hai Rui!

Er erklärte mir auch sogleich, wie er auf den Namen gekommen sei. Lu ist ein sehr verbreiteter Familienname in China, und er erinnert phonetisch an meinen richtigen Rufnamen Lukas (der häufigste chinesische Familienname ist übrigens Wang („König“), gefolgt von „Li“ und „Zhang“). Hai steht für „das Meer“ und wurde deshalb gewählt, weil dasselbe Zeichen auch im Namen meiner Freundin (Xie Hai Di) und im Stadtnamen Shanghais vorkommt. Always know where you’re coming from, right? Die Silbe Rui schliesslich hat Herr Wang darum ausgesucht, weil „Schweiz“ auf chinesisch „Rui Shi“ heisst. Also auch da eine Anlehnung an meine Herkunft. Und als ob das noch nicht genug wäre, ist die Kombination meines Vornamens („Hai Rui“) eine historische Referenz: Hai Rui war ein Beamter der Ming-Dynastie, der als Vorbild in Sachen Ehrlichkeit und Integrität in die Geschichte einging.

Er bezichtigte den 11. Kaiser der Ming-Dynastie der Korruption und wanderte dafür ins Gefängnis. Später wurde er rehabilitiert, in Haikou (auf der Insel Hainan) steht heute eine Statue von ihm. Ich werde sie besuchen.

Ich dankte Baba Wang mit lauten Ganbei!-Rufen (dazu später mehr) und schickte mich an, die Schriftzeichen meines Namens auswendig zu lernen. Sie sind noch immer etwas krakelig. Aber Fang Zao Ni Ka Lao Si Ma Li Ya wäre neidisch auf mich.

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